OHRENDROHNEN | fluesterkonus x hornet

OHRENDROHNEN | fluesterkonus x hornet von chora malik und Stefan Voglsinder verflechten Klang- und Sprachkunst zu einer grobmaschigen Gesamtperformance, die einerseits Ruhe, andererseits Aktion als parallele und interagierende Elemente etabliert. Im Mittelpunkt der AuffĂŒhrung stehen die von den beiden KĂŒnstlerInnen eigens kreierten Objekte ‚fluesterkonus‘ und ‚hornet‘, durch die von malik selbstverfasste Texte gelesen und von Voglsinger KlĂ€nge produziert werden. Der ‚fluesterkonus‘ entspricht im Wesentlichen einer sogenannten FlĂŒstertĂŒte, oder Sprechrohr, wie sie etwa frĂŒher auf Filmsets zur akustischen VerstĂ€rkung von Anweisungen verwendet wurde. In maliks Version wird dieser StimmverstĂ€rker mit einer LĂ€nge von zwei Metern wortwörtlich wie metaphorisch ĂŒberdimensioniert gedacht und tritt in Dialog mit Voglsingers ‚hornet‘, einem frĂŒhen Kinolautsprecher in Form eines Hornissenstachels, dessen Aufgabe es war, den Filmton mit mechanisch-akustischen Mitteln von hinter der Leinwand zu den Zusehenden zu tragen. Voglsinger hat das Objekt als Instrument adaptiert, kombiniert es mit seinen elektronisch erzeugten, experimentellen KlĂ€ngen und bildet damit einen schwarmartigen Sound als ErgĂ€nzung zu maliks zielgerichtetem, lautem FlĂŒstern, das zur Rezitation, bis hin zum fließenden Rhythmus und letztlich zum Mantra wird. malik und Voglsinger werden dabei zu Akteuren, die sich neben- und miteinander ihrer jeweiligen Sprache bedienen, diese gegenseitig einfangen und weiter verarbeiten. Das Zusammenspiel von fluesterkonus und hornet unterstĂŒtzt diesen Ansatz auf einer tatsĂ€chlichen wie symbolischen Ebene – beide Objekte nehmen das akustische Input voneinander auf und senden es als einen eigenstĂ€ndigen Schwarm aus; Stille wird durchbrochen und nur scheinbar gestört, bevor sie sich allmĂ€hlich tragen lĂ€sst und in potentiell alle KlĂ€nge ĂŒbergeht. Wie eine sich annĂ€hernde, einzelne Drohne im Ohr, gefolgt von einem ganzen Bienenschwarm.

Foto: Florian Weisch, 2021